Werbung
Die malerischen Ufer des Rheins, ein beliebtes Urlaubsziel für europäische Touristen, bilden normalerweise die Kulisse für unbeschwerte Fotos und romantische Spaziergänge. In der vergangenen Woche wurde die idyllische Landschaft in der Nähe von Koblenz jedoch um ein ungewöhnliches Artefakt erweitert: Ein PKW, der halb im Ufersand versunken war, wurde zur unfreiwilligen Sehenswürdigkeit und rückte ins Visier der Rettungsdienste. Der Vorfall, der sich mitten in der Tourismussaison ereignete, zwang die örtlichen Behörden, nicht nur ein logistisches, sondern auch ein Image-Problem zu lösen.
Wie konnte ein Auto in diese missliche Lage am Flussufer geraten, fernab von asphaltierten Straßen und Parkplätzen? Nach ersten Erkenntnissen wollte ein durch die Region reisender Fahrer einer Navigationsgerät-Route folgen, die über einen unbefestigten Weg direkt bis ans Wasser führte. Der Autofahrer unterschätzte die Lockerheit des Sandes und die Leistungsfähigkeit seines frontgetriebenen Wagens und fuhr in die Flutzone, wo die Räder sofort jeden Halt verloren. Die Versuche, sich selbst zu befreien, führten nur dazu, dass das Auto bis zu den Radnaben einsank und das ansteigende Wasser die Schwellen umspülte, was eine unvermeidliche und dringende Bergung erforderlich machte.
Die am Ort eintreffenden Retter sahen sich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Erstens konnte ein normaler Abschleppwagen die Unfallstelle nicht erreichen, ohne Gefahr zu laufen, selbst im weichen Untergrund stecken zu bleiben. Zweitens bestand eine reale Gefahr für die Umwelt: Aus einem beschädigten Getriebegehäuse oder Tank austretender Kraftstoff hätte in den Rhein gelangen können, der als wichtige Wasserstraße und Lebensraum für zahlreiche Tierarten dient. Daher wurde beschlossen, die Operation mit größter Vorsicht durchzuführen, leichte Kettenfahrzeuge einzusetzen und Bindemittel für eventuelle Öl- und Kraftstoffaustritte bereitzuhalten.
Die Befreiungsaktion des “Gefangenen” glich eher Tauchereinsätzen als einem standardmäßigen Pannendienst. Die Retter mussten das Auto per Hand freigraben, das Wasser aus dem Innenraum abpumpen und unter die Wagenheber spezielle Platten legen, um einen festen Untergrund zu schaffen. Erst nach mehreren Stunden konnte das Fahrzeug mit Hilfe einer Seilwinde, die an einem in sicherer Entfernung auf dem Asphalt stehenden schweren Lastwagen befestigt war, aus dem Sand befreit werden. Der Besitzer, der den Vorgang vom Ufer aus beobachtete, kam mit einem hohen Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Parkregeln in der Schutzzone und den erheblichen Kosten für die Bergung davon.
Dieser Vorfall wurde zu einer lehrreichen Geschichte für alle Autofahrer, die an den malerischen, aber tückischen Ufern des Rheins unterwegs sind. Er zeigt deutlich, dass moderne Geräte nicht immer zwischen einem Feldweg und einem Strandbereich unterscheiden können und der Wunsch, nah ans Wasser zu fahren, in stundenlangen Stress und ein Loch im Budget umschlagen kann. Die örtlichen Behörden haben bereits versprochen, an den Zufahrtsstraßen zum Fluss zusätzliche Warnschilder aufzustellen, damit kein weiteres Auto das Schicksal dieses unglückseligen Reisenden wiederholt und die ungestörte Ruhe der uralten Wasserlandschaft bewahrt bleibt.

